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Artikel veröffentlicht am 02.02.2007 um 14:33 Uhr
Nationalspieler, Meistertrainer, Nazi:
Fränkischer Haudegen: Hans „Bumbes“ Schmidt
MAGAZIN
Schon als Spieler galt Hans Schmidt als lebende Legende. In den Wirren der beiden Weltkriege verliefen sich oft die sportlichen Spuren des fränkischen Urgesteins. Mit tatkräftiger Unterstützung von FC Eintracht Bamberg-Pressesprecher Siggi Lang ist es uns gelungen, erstmals einige Stationen wiederzuentdecken und den fußballerischen Weg von „Bumbes“ Schmidt nachzugehen, der ihn unter anderem nach Bamberg führte.
Von
Christian Dotterweich
Fürth, Anfang des 20. Jahrhunderts. Klein-Hans sucht sich einen Verein, um dem runden Leder nachjagen zu können. Der schmächtige Schmidt tritt der Spielvereinigung Fürth bei. In Fürth geboren muss sich der Rohnhofer oft gegen Größere durchsetzen. Bei einem Schülerspiel rempelt einer der Großen das Hänschen um. Im hohen Bogen fliegt der daraufhin über den Platz. Ein Zuschauer ruft: „Schauts nä den glann Bumbes oh!“ Und schon hatte der „kleine Furz“ seinen Spitznamen weg. Selbst auf späteren Autogramm-Karten unterschrieb er mit „Bumbes Schmidt“. Bis zu seinem mysteriösen Tod 1971 wird Hans, genannt Bumbes, Schmidt den Fußball in Deutschland prägen. Er bringt es zum Nationalspieler, führt als Trainer einige Vereine zur Meisterschaft und arbeitet trotz Verbot der Amerikaner direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weiter – auch in Bamberg, und zwar inoffiziell.
1922: Der Club schlägt überraschend Spartra Prag mit 3:0. Einer der besten beim Auswärtsspiel: Bumbes Schmidt (am Ball).
Abbildung entnommen aus Bausenwein u.a.: Die Legende vom Club
Heute kaum vorstellbar, aber in Franken lag die Hochburg des nationalen Fußballs. 1914 wird die Spielvereinigung Fürth zum ersten Mal Deutscher Meister. Mit dabei: der 21-jährige Nachwuchskicker Bumbes Schmidt. Der linke Läufer schaffte da bereits drei Jahre vorher den Sprung in die Erste bei den Kleeblättern. Schmidt reift zum Führungsspieler. Er ist ein ausdauernder Kämpfer, der bis zum Schlusspfiff fightet. Diese Eigenschaft führt ihn am 18. Mai 1913 nach Freiburg. Bei seinem Debüt als Nationalspieler verlor allerdings die National-Elf mit 1:2 gegen die Schweiz. Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft, dem ersten sportlichen Höhepunkt von Bumbes Schmidt, hat das Säbelrasseln des letzten Deutschen Kaisers eine Ende: Mit dem Ersten Weltkrieg ruht der Fußball vier Jahre lang. Hans Schmidt verlässt ein Jahr nach Kriegsende überraschend die SpVgg und wechselt zum Lokalrivalen TV Fürth 1860.
Der Fürther Schmidt wechselt nach Nürnberg
Aus dem Ronhofer ist ein Dambacher geworden. Bumbes Schmidt wird ein weiteres Mal in die Nationalmannschaft gerufen. Wieder gegen die Schweiz. Wieder eine Niederlage. 1:4 heißt es am Nachmittag des 27. Juni 1920 in Zürich. Im Tor steht mit Heiner Stuhlfauth ein späteres Idol des FCN. Also auch er startet seine Nationalmannschafts-Karriere mit einer Niederlage. Drei Jahre bleibt der Bumbes ein „60“. Der Mann mit den kurz geschorenen Haaren wechselt wieder den Verein. Undenkbar, damals wie heute, aber Bumbes Schmidt verlässt seine Heimatstadt Richtung Zabo. Ausgerechnet zum Club. Im Nachhinein wohl die richtige Entscheidung. Mittlerweile 29 Jahre alt, startet Bumbes Schmidt richtig durch. Mit dem Club wird der Außenläufer drei Mal Deutscher Meister (1924, 25, 27). Er kann seine Mitspieler mitziehen und beweist taktisches Verständnis. Im Club-Dress reift er zum ausgewachsenen Nationalspieler heran und bringt es insgesamt auf 16 Einsätze.
Bumbes wird Trainer
1929 beendet Bumbes Schmidt seine Karriere als Spieler. Wahrscheinlich probt er sein Trainerdebüt bereits bei seiner letzten Station. Manche Quellen sagen, dass der Nationalspieler in seinem letzten aktiven Jahr beim ASV Nürnberg als Spielertrainer arbeitete. Nicht ganz geklärt ist, ob er danach noch mal beim Club anheuerte. Seine erste reine Trainerstation ist demnach Borussia Dortmund. Den Franken zieht es in die weite (Fußball-)Welt. Der BVB ist in der Saison 1931/32 Favorit in der ersten Bezirksklasse Dortmund des Ruhrbezirks. Als Bumbes Schmidt den Aufstieg verpasst, geht der energische Franke im Streit. Seine Tugenden als Spieler will er auch als Trainer weitergeben. Fritz Unkel vom ETB Schwarz-Weiß Essen schnappt sich den jungen Trainer, der als Spieler so erfolgreich war. In der Bezirksliga Ruhr Gruppe A bleibt Bumbes wieder nur ein Jahr.
Bumbes Schmidt als Trainer
Abbildung entnommen aus Bausenwein u.a.: Die Legende vom Club
Schalke 04 hat ein Auge auf Schmidt geworfen und holt ihn nach Gelsenkirchen. Fünf erfolgreiche Jahre bleibt Hans Schmidt auf Schalke. Verteidiger Hans Bornemann später über den Trainer: „Er machte Schalke härter, selbstbewusster und siegessicherer.“ Kein Trainer vor ihm sitzt so lange auf der Bank. Die Schalker rennen von Sieg zu Sieg. Im Ruhrgebiet setzt sich der eisern fränkisch redende Schmidt ein Denkmal: Drei Mal führt er Schalke um Kuzorra, Szepan und Co. zur Deutschen Meisterschaft (1934, 35, 37). 1937 gelingt ihm gar der Pokalsieg und somit das erste Double. 1935 musste sich der beinharte Schleifer noch gegen den Club im Pokalendspiel mit 0:2 geschlagen geben. Sein Kommentar: „Na, es iss vorbei. Der Glubb woä gut in Foädd, hodd zu Recht gwonna. Die Niederloch wird uns nedd den Hols kosten. Es wird halt widder trainiert, bis v’reckt!” Er war ein harter Hund, der von seinen Spielern forderte, keinen Alkohol zu trinken, vor wichtigen Partien früh ins Bett zu gehen und nicht zu rauchen. Er selbst war Kettenraucher.
"Ich versteh kein Wodd vo euem Schmarrn!"
Bumbes Schmidt war Mitglied der NSDAP und es gewohnt im Kasernenton zu kommandieren. De la Vigne, ein Spieler unter ihm, behauptete, er sei ein Pfundskerl, mit einem ganz rauen Ton. Dieser sei ihnen aber als ehemalige Soldaten geläufig gewesen. Und Bumbes Schmidt gab der Erfolg recht. Er gewinnt mit dem VfR Mannheim erstmals 1949 die Deutsche Meisterschaft. Seinen Jungs gibt er vor dem Endspiel folgende Anweisung: „So ihr Arschlöcher, geht rein und gwinnt!“ Selbst während des Krieges trainiert Bumbes Schmidt. Beim schwäbischen FC Gundelfingen schleift er die Übriggebliebenen und wird Meister in der Gruppe Donau. Er kehrt zurück zum Club und holt den Essener Wientjes, den Niedersachsen Werner, den Berliner Huttner und auch die Sachsen Neubert und Roßberg. Der knorrige Trainer gibt gleich die Marschrichtung vor: „Ich versteh kein Wodd vo euem Schmarrn. Ihr hobbt so zu reden wie mir Nürnberchä!“
Dem Nazi Schmidt verbieten die Amerikaner zu trainieren
Dem Partei-Mitglied verbieten die Amerikaner nach Kriegsende die Trainertätigkeit. Doch Bumbes Schmidt, der den Fußball über alles liebt, bleibt dem Fußball treu. Der FC Bamberg wird nicht in die neue Oberliga eingegliedert und muss in der Landesliga Bayern ran. Trainer ist niemand geringerer als Hans Bumbes Schmidt. Mit einem zusammen gewürfelten Haufen ist der Nazi wieder erfolgreich und steigt auf in die Oberliga Süd. In der zweiten Nachkriegs-Saison 1946/47 wird bereits der ehemalige Nationalspieler Karl Scherm als Bamberger Trainer angegeben. Bumbes Schmidt, noch nicht entnazifiziert, entzieht sich im Allgäu den Amerikanern. Er trainiert also inoffiziell die starken Bamberger und dazu den TV Pfronten. In der Gruppe Oberallgäu macht Schmidt, was er am Besten kann: Er wird Meister und steigt in die Erste Bezirksklasse auf. Nicht verwunderlich, dass da auch der mächtige FC Bamberg ein Freundschaftsspiel absolviert und gegen eine Kreisauswahl 10:1 gewinnt.
Seinen Spielern verbot er es; Schmidt selbst war Kettenraucher.
Archiv ETB Schwarz Weiß Essen
Schmidt heuert 1947 bei Jahn Regensburg an und feiert mit Mannheim 1949 seinen letzten Erfolg. Weder beim Club (1950/51), noch bei Borussia Dortmund (1951 bis 1955) oder bei der SpVgg Fürth (1955 bis 1957) kann der rasierte Typ seine großen Erfolge wiederholen. Höchstens erwähnenswert, dass dem alten Haudegen ein junger Spieler auffiel, den er unbedingt zum Club holen wollte. Nach langen Verhandlungen und sogar einem Ablösespiel für den 15-Jährigen, wechselte dieser 1940 von der Eintracht zum FC Nürnberg. Sein Name: Max Morlock. Die harte Gangart war schon fast legendär. Der Clubspieler Robert „Zapf“ Gebhardt erzählte folgende Anekdote über seinen Trainer Schmidt: „Obwohl ich neben Tipfi Oehm der erfolgreichste Torschütze als Außenläufer war, hat mich der Bumbes aufgefordert, nicht so viel herumzutricksen und noch mehr zu schießen. Und als ich zu ihm sagte, dass das Spielen halt so schön sei, hatte ich schon eine Schelln sitzen.” 1971 starb bei einem Gasunfall in seiner Wohnung Bumbes Schmidt mit 77 Jahren. Heute ist er im easy-credit-Stadion verewigt: Block 40 wurde nach dem legendären, gebürtigen Fürther benannt.
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